Diskussion um Carl Diem

Carl Diem war in der Weimarer Republik, im NS-Staat und in der BRD eine führende Persöhnlichkeit im deutschen Sport.
Vor allem im Nachkriegsdeutschland war er eine umstrittene Person.
Es sind in der Zeit nach 1945 vier Hauptphasen zu erkennen :

1. Phase 1945 - 1968
Carl Diem wird 1949 Sportreferent der neuen Bundesregierung (bis 1953).
Damit wird seine Vergangenheit im NS-Staat zum Thema im Bundestag:
der Abgeordnete Maier (SPD) versucht, Carl Diem als "Exponenten einer militaristischen Sportideologie" zu entlarven, indem er aus dem Hauptwerk C. Diems "Olympische Flamme" zitiert.

Dagegen erinnert der damalige Innenminister G. Heinemann (später Bundespräsident) an Diems parteilose Vergangenheit und zählt Diems Ehrenämter und sein Rektorat an der neugegründeten Sporthochschule in Köln auf und bemerkt , dass DIEM als einziger deutscher Ehrengast bei den Olympischen Spielen 1948 in London eingeladen war.
Heinemann fügte hinzu : "Er ist also ein Mann, über den man nicht so einfach urteilen kann."

Auch in der DDR-Presse erscheinen in dieser Zeit einige Angriffe gegen Carl Diem.

2. Phase : 1968 - 1990
Nach den Studentenunruhen 1968 wird die NS-Vergangenheit immer wieder zum wichtigen Thema. Auch die Rolle Carl Diems wird (nicht nur bei den Studenten der Sporthochschule) neu diskutiert, z.B.:
im Vorfeld der olympischen Spiele 1972 in München
Im September 1971 beschließt eine Kommission des Münchner Stadtrats mit Billigung des olympischen Kommitees, Carl Diem nicht in den Kreis derer aufzunehmen, die für die Benennung der Straßen , Plätze und Brücken im Olympiapark Pate stehen werden. Es heißt , man habe politischen Komplikationen aus dem Wege gehen wollen.

In diesem Zeitraum erscheinen entsprechende Artikel im "Spiegel" :
Spiegel 41 / 1971 W. Gloede : "Adolfs Rekruten"
Spiegel 50/1971 Th York : "Einer von Hitlers größten Triumphen"
darin wird Diem als "tragische Gestalt der Sportgeschichte" dargestellt
weiteres Zitat: "der Name Carl Diem steht für die historische Phase, in der aus dem Sport ein Instrument der Politik wird."

Die Anhänger von C. Diem reagieren mit wütenden Protesten .
Insgesamt scheint es eine klare Freund - Feind - Aufteilung bezüglich Carl Diem zu geben.

3. Phase : 1990 - 2000
nach dem Fall der DDR und dem Entstehen neuer Führungspersönlichkeiten in den Sportverbänden (vor allem DLV) und z.B. an der SpoHo Köln wird die Diskussion neu entfacht. Auch in der Presselandschaft der BRD entsteht eine neue ideologiefreiere Diskussion, die in den Jahren 1990 - 2001 zu einigen Umbenennungen führt. Carl Diem wird nun überall kritischer gewertet.

4. Phase : 2000 - 2002
Die neuere Diskussion gipfelt in dem Streit eines Diem-Sohnes mit dem DLV. Am 17.1.2002 macht das Landgericht Darmstadt mit seinem Urteil den Weg für weiteren Streit um Umbenennungen frei.