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Kinderheim / Volksschule / Synagoge Lützowstraße

In der Lützowstraße (Bild s.o.) findet man an der linken Seite des dargestellten Hauses zwei Tafeln. Auf der einen steht :

Darunter befindet sich eine weitere Tafel, auf der die Geschichte des ehemaligen Gebäudes festgehalten ist. Beide Tafeln wurden am 29. Juni 1989 auf Anregung des Ehepaars Irene und Dieter Corbach überreicht. Sie hängen heute gegenüber dem ehemaligen Standort des Kinderheims an der Berufsschule Lützowstraße. Auf der 2. Tafel ist zu lesen:

Israelitische Volksschule
In diesem Gebäude befand sich die städtische Israelische Volksschule, Köln, Lützowstraße, von 1917 bis zu ihrer Vertreibung durch die Nationalsozialistische Gewaltherrschaft im Jahre 1938. Viele Lehrer und Schüler wurden mit ihren Familien später in den Osten verschleppt. Nur wenige überlebten.
Israelitisches Kinderheim
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand das israelitische Kinderheim, Lützowstraße 35/37. Das Heim wurde 1909 erbaut. 1941 mussten die Kinder mit ihren Betreuern das Haus verlassen. Viele der Kinder und Erzieher wurden 1942 in den Osten verschleppt und dort ermordet.
Synagoge
Im Hof des Kinderheims Lützowstraße 35/37 befand sich eine Synagoge. Sie wurde 1919 gestiftet und stand bis 1941 zur Andacht offen.

Die Schule in der Lützowstraße war mit bis zu 1000 Schülern die größte öffentliche jüdische Volksschule Deutschland in den 20er Jahren. Ostern 1938 wurden die Schüler aus diesem Gebäude vertrieben und schließlich in den jüdischen Schulen in der St.-Apern-Straße untergebracht. Der Rektor Emil Kahn wurde 1942 im Ghetto Lodz umgebracht. Das Kinderheim gegenüber wurde bis 1936 vom Sohn der Gründerin Markus Plato und später bis 42 von Moritz Rülf geleitet, der im selben Jahr mit seiner Frau in Theresienstadt umkam. Auch die verbliebenen Kinder fielen größtenteils dem Holocaust zum Opfer.

Heute erinnert nur noch die Gedenktafel an das Kinderheim, an dessen Platz nun Wohnhäuser stehen.

Quelle : "Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus" , Puvogel/Stankowski , Bonn 1996