Jüdischer Friedhof in Bocklemünd

Autoren: M. Becker, J. Hübner, Chr. Wullen

Das Denkmal der sieben Togarollen auf dem Friedhof Direkt neben dem Bocklemünder Busbahnhof befindet sich ein jüdischer Friedhof. Man erkennt ihn sofort an dem großen Judenstern, der auf dem Haupthaus der drei gelben Häuser angebracht worden ist. In den Häusern befinden sich die Trauerhalle, die Verwaltung des Friedhofs und das Leichenhaus. Die Gebäude sollten eigentlich so aussehen, wie die vom Westfriedhof. Allerdings hat sich der Architekt des Bauwerks, Robert Stern, über diese Bestimmung hinweggesetzt. Die Häuser wurden genau wie der Friedhof 1930 eingeweiht. Da sie mit den Jahren langsam aber sicher verwahrlosten, wurden sie 1987 zum ersten Mal notdürftig renoviert. 1996-´97 mußten sie dann noch mal vollständig renoviert werden. Bei der zweiten Renovierung hat die Gemeinde weder Kosten noch Mühen gescheut. So sehen die Gebäude, vor allem die Trauerhalle, jetzt wieder prächtig aus.
Sie ist sehr bunt gestaltet. Die Wände sind lila, die Säulen gelb und auf der Decke ist der Himmel abgebildet.
Wenn man durch den Eingang des 1918 angelegten Friedhofs kommt, fallen einem direkt die Regeln ins Auge:" angemessenes Verhalten; keine Tiere oder Fahrzeuge; Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen".
Der Friedhof ist bis zum Denkmal symmetrisch, danach ist von einer Symmetrie nichts mehr zu erkennen. Wenn man den Hauptweg, der zu beiden Denkmälern des Krieges führt, entlang geht, sieht man schöne instand gehaltene Gräber. Sie sind oft auch mit Blumen geschmückt. Diese Tradition, Gräber mit Blumen zu schmücken, ist von den Christen abgefärbt. Die eigentlichen, jüdischen Bräuche sehen keinerlei Schmückungen vor; der Friedhöfe sollen schlicht sein. Für sie steht der Friedhof als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens. (Die Juden gehen nur fünf bis sechs Mal im Jahr zum Friedhof).
Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Genauso wie der Mensch zu Staub wird, zerfällt auch der Grabstein. Dies fällt einem auch sofort auf, wenn man vom Hauptweg, wo die "neu" Verstorbenen liegen, abweicht und nach rechts oder links geht. Hier sieht man dann einfache, ungepflegte Gräber. Oft ist die Inschrift nicht mehr lesbar. Wenn man sich jedoch die Mühe macht und die Schrift zu entziffern versucht, fällt einem auf, dass die meisten hier Liegenden im Krieg ermordet wurden. Oft stehen auch nur Jahresdaten ohne genauere Angaben auf den Steinen. Links vom Denkmal sind viele Familiengruften. Dort sind meist bis zu fünfzehn Personen aufgeführt. Obwohl die Grabsteine hier aufwendiger sind, sind die Gräber an sich trotzdem verwahrlost. Auch hier sind die meisten Familien im zweiten Weltkrieg umgekommen. Inschriften wie "In Gedanken an meine Frau und Tochter die in Ausschwitz ums Leben kamen..." sind nicht ungewöhnlich. Oft wurden dort ganze Familien umgebracht. In einem Grab liegen die Eltern mit ihren zwei Söhnen, die gerade mal zehn Jahre alt geworden sind. Alle vier wurden in Ausschwitz getötet. "Begraben" wurden sie dann später von ferneren Verwandten, die in die USA auswandern konnten. Natürlich liegen die Körper der in Konzentrationslagern ermordeten Juden nicht wirklich auf diesem Friedhof. Die Gräber sind nur "in memoriam", zur Erinnerung derer. Die Inschriften sind immer in deutsch und Hebräisch. Ebenfalls die Inschriften der beiden Denkmäler.
Das erste Denkmal soll an den zweiten Weltkrieg erinnern, das zweite an die "Reichskristallnacht". Dieses Denkmal ist von Franz Lipensky. An dieser Stelle wurden Ritualgegenstände nach dem Progrom am 10. November 1938 vergraben, um sie zu retten. 1978 wurden diese Gegenstände bei Bauarbeiten zufällig entdeckt und nach jüdischem Ritual in sieben Särgen (da es sieben Torarollen waren) an dieser Stelle wieder bestattet. Die Rollen gehörten zu einer Synagoge, die in der damaligen Nacht völlig zerstört wurde. Das Denkmal stellt unten die verbrannten Torarollen dar. Dann steht da ein Kelch und sechs Judensterne, die für die sechs Millionen ermordeten Juden im zweiten Weltkrieg stehen. Dem Denkmal gegenüber steht wiederum ein anderes. Dieses zeigt eine große Säule. Oben ist der Judenstern. In der Mitte steht eine Gedenktafel auf der steht: "Zum Andenken an die über 11.000 Schwestern und Brüder unserer Gemeinde, die ,als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns, für das Judentums 1933-1945 gefallen sind. Synagogengemeinde Köln." Etwas was hier sofort ins Auge sticht, ist das Wort "gefallen". Es ist gebraucht worden, um der Ermordung die Schärfe zu nehmen und aus Solidarität der Stadt Köln gegenüber. Daneben sind zwei Tafeln mit hebräischer Schrift. Zudem steht da noch "unseren letzten 1908-1942 amtierenden Rabiner, Dr. Isidor Caro, der mit vielen Gemeindemitgliedern den Märtyrertod in Theresienstadt fand. In dankbarer Verehrung, Synagogengemeinde Köln.". Dr. Isidor Caro war einer der ersten Juden, die deportiert worden sind. Wenn man hier nun weiter geradeaus geht, kommt man zum Denkmal des ersten Weltkrieges. Auf diesem ist ein Dreieck mit der Inschrift "Für unsere lieben Gefallenen". Rechts davon sind acht Tafeln auf denen ihre Namen aufgelistet sind. Darüber steht "Für das Vaterland 1914-1918".

Der Friedhof blieb vom Krieg weitgehend unberührt, allerdings wurden um 1940 mehrmals Grabsteine umgeworfen. 1997 wurde er nochmals verunstaltet, was jedoch weder politische noch religiöse Hintergründe hatte, der Täter war geisteskrank.

In Deutz dagegen wurden am 27. Januar 1996 Grabsteine von Neonazis umgeschmissen und mit Hakenkreuzen beschmiert. An den Wänden stand "macht die Sechs-Millionen-Lüge wahr". Als die "sechs Millionenlüge" bezeichnen die Neonazis die sechs Millionen Juden, die "angeblich" nicht in Konzentrationslagern umgekommen sein sollen.

Der 27. Januar ist der Tag der Befreiung aus den Konzentrationslagern. Nach diesem Anschlag und nach Anschlägen auf Messen (z.B. in Essen) bewacht die Polizei nun jüdische Trauerfeiern.