das Abraham - Frank - Haus in Braunsfeld
Heute erinnert nicht mehr viel an die israelitische Waisenstiftung, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts jüdischen Kindern ohne Eltern ein zu Hause gab. An dem renovierungsbedürftigen Haus an der Aachener Straße, das in Braunsfeld zwischen Maarweg und Gürtel steht und heute die Hausnummer 443 trägt, hängt nun nur noch eine recht kleine kaum auffallende Tafel auf blassgrünem Grund, auf der zu lesen ist:

Im Jahre 1910 entstand im Kölner Westen ein Waisenhaus, das sich um das Wohl verwaister jüdischer Kinder kümmerte und bis zur Machtergreifung Hitlers problemlos arbeiten konnte. Besonders Therese Wallach machte sich um das Heim sehr verdient, das sie von 1925 an bis zum Ende leitete. Selbstverständlich war abzusehen, das diese sozialen Dienste durch die Nationalsozialisten unterdrückt werden würden. Es dauerte bis 1941, als nachts SS-Leute in das Gebäude eindrangen und sämtliche Kinder und Betreuer festnahmen. Sie wurden zusammen in den Osten verschleppt und dort sofort in ein Konzentrationslager gebracht. Im folgenden Jahr kamen dort alle ehemaligen Bewohner der Waisenstiftung um. Das Schicksal des Abraham - Frank - Hauses war damit besiegelt. Nachzulesen sind die Ereignisse in dem Buch von D. Corbach : "Köln und Warschau sind zwei Welten. Amalie Banner, Leiden unter dem NS-Terror" (Köln 1993), das den Leidensweg eines Mädchens aus dem Waisenhaus dokumentiert.

Nach dem Krieg wurde ein neues Gebäude errichtet, in dem sich eine Realschule für Mädchen befand. Nachdem sie einige Jahre dort war, wurde sie auch für Jungen zugänglich und wurde zu einer Schule für beide Geschlechter. Aus Platzgründen wurde die Realschule dann allerdings später nach Müngersdorf verlagert. Heute ist dieses Gebäude immer noch eine Bildungsstätte: es beherbergt eine weiterführende Schule für Griechen.

Juden im "braunen Braunsfeld":

Juden, derer es im Braunsfeld der 30er relativ viele gab, wurden auch hier organisiert verfolgt. Besonders von Gauleiter Josef Grohe und den Spitzeln des "Schwarzen Korps", die ihr Quartier am damaligen Julius-Schreck-Platz, heute heißt er Hültzplatz, eingerichtet hatten, gingen Angst und Schrecken aus. Häuser und Wohnungen der jüdischen Bürger wurden geplündert und ihre Geschäfte ausgeraubt. Ein grossteil der Juden wurde nach Auschwitz deportiert. Bevor sie die lange Reise in den Osten antreten mussten, wurden sie von den Nationalsozialisten in den ehemaligen preußischen Kasematten am Alten Militärring in Müngersdorf eingepfercht.
Doch es gab auch Braunsfelder, die in diesem dunkeln Kapitel deutscher Geschichte ihren jüdischen Mitbürgern bei Seite standen und sie unterstützten, wo es nur möglich war. Der Braunsfelder Metzger Anton Stausberg zum Beispiel ließ den Verfolgten "illegaler" Weise geheim Lebensmittel zukommen. Oder der Arzt Dr. Franz-Josef Vonessen, der drei Jüdinnen das Leben rettete, indem er sie verstecken ließ.

Braunsfeld: Wiege des dritten Reiches:

Da der NSDAP das finanzielle Aus drohte, suchte Adolf Hitler bei der Wirtschaft und Industrie nach finanzieller Unterstützung. Er fand mit Kurt Freiherr von Schröder einen Verbündeten. Der Braunsfelder Bankier war einer der einflussreichsten Männer der Kölner Wirtschaft, u.a. Präsident der Kölner Handelskammer und der Kölner Börse. Bei einem geheimen Treffen 1933 in einer Villa am Stadtwaldgürtel 35, an dem Adolf Hitler, Rudolf Heß und Heinrich Himmler, sicherte Freiherr von Schröder den Nazis Unterstützung zu und ebnete ihnen den Weg für ihr grausames Unternehmen.

Autoren : Alexander Diener, Benedikt Hornung, Patrick Pommerening