An Otto Müller erinnert heute nicht nur der Name eines Platzes im Agnesviertel, sondern auch die Gedenktafel an die Stadtverordneten im Kölner Rathaus.

Otto Müller - Kindheit und Jugend

Am 9. Dezember 1870 wurde Monsignore Dr. Otto Müller als Sohn eines Lehrers in Eckenhagen im Bergischen Land geboren, wo er mit zwei Schwestern aufwuchs. Doch die Versetzung seines Vaters brachte es mit sich, dass er die Gymnasien in Essen und Mühlheim/Ruhr besuchte.

Beruflicher Werdegang

Von 1889- 1894 studierte Otto Müller Theologie in Bonn und wurde nach der Priesterweihe Kaplan in Morsbach. Ein Jahr später schickte sein damaliger Bischof den Fünfunzwanzigjährigen an die Hauptpfarre nach Mönchengladbach.
Im Jahre 1896 übernahm er dort bereits die Leitung des dortigen Arbeitervereins mit über 1200 Mitgliedern. Seine pädagogischen Fähigkeiten ermöglichten ihm 3 Jahre später die Zusammenarbeit mit den „roten Kaplänen" Franz Hitze und Heinrich Braun in der Zentrale des Volksvereins für das katholische Deutschland. Bis 1917 war er als Referent für Arbeiterfragen und soziales Vereinswesen beschäftigt. Seine Tätigkeit war auf die Emanzipation der Arbeiterschaft gerichtet. So versuchte er unter anderem die Arbeitervereine zu „kulturellen und politischen Bildungs- und Schulungsstätten" umzugestalten. Währen dieser Zeit erwarb er des weiteren nach seinem sozialwissenschaftlichen Studium in Freiburg 1904 den Doktortitel der Nationalökonomie und veröffentlichte seine „Geschichte der christlichen Gewerkschaften Deutschlands". 1906 wurde er , nachdem er sechs Jahre lang der Generalsekretär des katholischen Arbeitervereins der Erzdiözese Köln war, erst zum Diözesanpräses und am 15. September 1917 schließlich sogar zum Verbandspräses des westdeutschen KAB ernannt. So konnte Dr. Otto Müller sich in der Zeit vor Hitler sehr auf sozialpolitischen Gebieten betätigen.

Widerstand gegen Hitler

Den Weg in den Widerstand gegen Hitler fand Otto Müller 1927 zusammen mit Nikolaus Groß und Bernhard Letterhaus, anderen Führungskräften der KAB. Zwei Jahre später gründete er das Kettlerhaus, das in der NS-Zeit als Sitz der KAB und als Zentrum des Widerstandes gegen Hitler genutzt wurde.
Man nennt Otto Müller einen Widerstandskämpfer der 1. Stunde, denn schon 1932 warnt der KAB-Verbandspräses Reichskanzler Von Papen und Reichspräsidenten Von Hindenburg in einem offenen Brief vor den Gefahren des Nationalsozialismus. Die KAB erhielt noch mehr Zulauf als das Zentrum sich 1933 auflöste. Denn da diese Partei auch im Untergrund nicht fortlebte, mussten sich die ehemaligen Anhänger des Zentrums oder christliche Gewerkschafter aus dem Kölner Raum, die gegen das NS-Regime aktiv werden wollten, den Hitlergegnern in der KAB anschließen. Dort bemühte man sich über Vortragsabende und interne Gesprächsrunden um den Erhalt der kirchlichen Freiräume und die politische Identität ihrer Mitglieder.

Mitwirken beim Attentat gegen Hitler

Doch das Kettlerhaus mit Müller, Letterhaus und Groß gilt vor allem deswegen als Brückenkopf im geistigen Kampf gegen den Nationalsozialismus, weil die drei Männer zu den Christlich-Sozialen, Militärs und Liberalen gehörten, die am 20. Juli 1944 versuchten, Hitler durch ein Attentat zu beseitigen. Von dem Attentat erhofften sie sich die Auflösung der NSDAP.
Im Vorfeld wurde Otto Müller beauftragt, die Kriterien für diesen Mord mit dem Vatikan zu besprechen und ihn als moralische Autorität für einen schnellen und gerechten Frieden mit den Kriegsgegnern zu gewinnen. Obwohl Papst Pius XII die erste Anfrage ausweichend beantwortete, versicherte er jedoch bald, sich für einen würdigen Verhandlungsfrieden einzusetzten.

Festnahme und Tod

Aber das Attentat mißlingt und Hitler vernichtet einen Großteil der deutschen Widerständler. Nach der Verhaftung seiner Mitarbeiter Groß und Letterhaus wurde im September 1944 schließlich auch Dr. Otto Müller festgenommen. Aus dem Gefängnis Berlin-Tegel wurde er in das Staatskrankenhaus der Polizei verlegt, wo er im Alter von 74 Jahren am 12. Oktober erschöpft, schwer magenkrank und fast völlig erblindet, aber trotzdem aufgebracht verstarb, noch bevor sein Prozess eröffnet wurde. Sein Grab ist nicht bekannt.

Ehrungen

Seit 1948 ist ein Platz im nördlichen Teil der Neustadt von Köln ihm zu Ehren benannt. Der Prälat-Otto-Müller-Platz ist Teil des Viertels jenseits des Krefelder Walls im ehemaligen ersten Festungsrayon. Außerdem steht der Name „Otto Müller" seit 1999 im deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts unter der Kategorie „Blutzeugen unter Hitlers Terror".

Quellenverzeichnis:

1) http://www.kbs-koeln.de/streets-of-cologne/ns_zeit/otto_mueller.htm
2) http://www.bautz.de/bbkl/m/mueller_o.shtml
3) http://dbk.de/presse/pm1999/pm1999061701.html
4) http://www.cda-bund.de/wir/zeittafel.htm

Alina Piwowarski und Henrike Purtik