Ma'alot (Stufen) - Kölns Holocaust-Denkmal ?

Installation aus Gras, Ziegel, Granit und Gußeisen
Künstler:
Dani Karavan
* Telaviv 1930


Ma'alot ist im Hebräischen ein biblisches, ein archaisches Wort. Vom Verb "aufsteigen" abstammend, umfasst es zum einen Stufe, Sprosse, Stiege, Tribüne und zum anderen "oben" im Unterschied zu "unten". In neuerer Zeit bezeichnet es auch Längen- und Breitengrade und auch menschliche "Grade" , positive Eigenschaften im Menschen, Vorzüge, Tugenden, Charakter. (Quelle: Fax aus dem Büro Stankowski vom 5.6.2001)

Zitat aus dem Skulpturenführer Köln:

Der Heinrich-Böll-Platz ist Kölns künstlerisch bedeutendster Platz. Mehr als seine Farbigkeit erinnert seine Asymmetrie an die Piazza del Campo in Siena. Im Gegensatz zu dieser musste hier bis auf die beiden Fassaden des Museums auf umfassende 'Wände' verzichtet werden. So wird sein Erscheinungsbild allein von der Gestaltung der Platzfläche und ihrer Farbigkeit getragen. Mit seinen Materialien - Ziegel, Eisen, Eisenbahnschienen - reagiert er ebenso auf sein Umfeld wie mit der Führung seiner Achse. Das der Platzgestalltung zugrunde liegende Modul (0,90 m) entspricht der Achsbreite der vertikalen Fassadengestaltung des Museums. Der aus dem Modul gewonnen Wert 6 ist das ordnende Element in dem mathematisch aufgebauten Gefüge. Der Weite der Platzfläche steht die aus Eisen- und Granitböcken geschichtete Vertikale des Ma'alot, des Stufenturms, kraftvoll an kalkulierter Stelle entgegen. Senkrechte Schlitze verbunden mit größeren Aussparungen lassen das Licht durch die Stele hindurch. Damit erinnert das Ma'alot an archaische Stufen- und Sonnenheiligtümer.

Quelle: Skulpturenführer Köln, Köln 2000


Warum wird diese Installation "Holocaust-Denkmal" genannt ?
(z.B. in einer Mahnmalliste des NS-Dokumentationszentrums)

Die folgende Interpretation des Kunstwerkes geht vor allem auf Herrn Marquardt, den Leiter der Melanchthon Akademie, zurück (Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom 8.11.1997):

Herr Marquardt sieht die Schienen als Verbindung zwischen Dom und Rhein und darüber hinausweisend mit dem Deutzer Bahnhof, von dem Tausende Juden in den Tod deportiert wurden.
Die Plastik selbst erinnert Herrn Marquardt an einen KZ-Wachturm. "Durch die Schlitze, Schießscharten ähnlich, blickt man geradewegs auf die Messe" , einen weiteren Ort des Todes und der Unterdrückung im 3. Reich.
Die Zahl 6 spielt für die Gestaltung des Platzes eine große Rolle. Nach Marquardt steht diese Zahl in der jüdischen Zahlensymbolik für die Shoah, die Vernichtung. "Im übrigen sind 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens in Auschwitz ermordet worden".
Dass Dani Karavan, der Jude den Kölnern die Erinnerung an den Holocaust vor den Dom gepflanzt hat, versteht Marquardt als "ungeheure Provokation".

Der Künstler selbst stellt nirgends einen Bezug zwischen seinem Werk und dem Holocaust her.