Klingelpütz

Gedenkstätte am Klingelpütz Auf der Bronzetafel auf dem nebenstehenden Steinsockel findet man die Inschrift :
Hier wurden von 1933-1945 über tausend von der nationalsozialistischen Willkürjustiz unschuldig zum Tod Verurteilte hingerichtet.

Wo sich heute am Klingelpütz ein Park befindet, stand bis 1969 das Kölner Untersuchungs- und Strafgefängnis . Während seiner ganzen Geschichte wurden hier auch politisch Verfolgte inhaftiert. Die Nationalsozialisten brachten die von ihnen Verfolgten außer in die Polizeigefängnisse (Krebsgasse, Bonner Wall) auch hierher (historisches Bild (28 Kbyte)).

Wegen der nazifeindlichen Haltung der hier lebenden Arbeiterbevölkerung empfahl der Kölner Regierungspräsident am 28.02.1933, "die Zusammensetzung der umwohnenden Bevölkerung als unsicher in Rechnung zu stellen" und deswegen die Wachmannschaften des Klingelpütz mit Waffen auszurüsten. Die ersten Hinrichtungen von Nazigegnern wurden am 30.11.1933 an sechs vom Kölner Landgericht verurteilten Kommunisten vollstreckt. Auf ausdrücklichen Befehl Görings wurde das Todesurteil mit dem Handbeil vollzogen. Aus Empörung dagegen versammelten sich Kölner in mehreren Stadtteilen, und wie ein Pfarrer in der nahegelegenen Kirche St. Ursula las auch der Stadtpfarrer Dangelmeier im weit entfernten Metzingen in Württemberg eine Messe für die Hingerichteten, wofür er dann selbst ins KZ kam. Der Klingelpütz war zentrale Hinrichtungsstätte für sämtliche Sondergerichte in den 10 westdeutschen Oberlandesgerichtsbezirken: Aachen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Hagen, Koblenz, Münster und Wuppertal. und zum Teil auch für den Volksgerichtshof in Berlin und das Reichsgericht in Leipzig. Über 1000 Todesurteile wurden hier mit dem Fallbeil vollstreckt, die meisten während des Krieges an Ausländern. Im Krieg war der Klingelpütz wegen der Massenverhaftungen hoffnungslos überfüllt. Das Gebäude war zu dieser Zeit früher für 800 Häftlinge geplant aber es waren mehr als 1700 Häftlinge eingepfercht. Es fanden insgesamt mehr als 1000 Hinrichtungen statt. Viele Häftlinge starben auch bei Luftangriffen,bei denen die Häftlinge in den Zellen bleiben mussten und an den katastrophalen hygienischen Umständen. In der nahe gelegenen Volksschule am Klingelpütz wurde während des 2. Weltkrieges ein Gefangenenlager für französische Kriegsgefangene eingerichtet. Bei Luftangriffen im Juli 1943 wurde die Volksschule komplett zerstört.
Obwohl der Klingelpütz am 30. Januar 1945 in einem Bericht eines Kölner Generalstaatsanwalts für unnutzbar erklärt wurde, wurde der "gerade noch verwendbare Fl&uugel;gel" (so aus einem Bericht der Gestapo) dennoch seit dem 9. 11. 1944 von der Gestapo genutzt. Somit war der Klingelpütz ein der Gestapo/SS unterworfenes Konzentrationslager geworden, welches noch bis in den März 1945 voll im Betrieb war.
Im Jahr 1968 wurde das "Klingelpützgefängnis" gänzlich abgerissen. Auf dem Abrißplatz errichtete die Stadt einen kleinen Park. 1979 wurde dort die oben gezeigte Gedenktafel von Hans Karl Burgeff für die ca. 1000 Opfer der NS-Zeit aufgestellt

Quelle : Das braune Köln, Emons-Verlag